Johanniskirche Zittau
Hauptkirche der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde St. Johannis Zittau
Historisches und Aktuelles – vorgestellt vom Freundeskreis Johanniskirche

Das Bauwerk

Nach der Zerstörung der spätgotischen Vorgängerkirche am 23. Juli 1757 begann am gleichen Tag 1766 unter Beteiligung der Baumeister Andreas Hünigen und Karl Christian Eschke ein barocker Neubau, der in wesentlichen Teilen 1804 fertiggestellt war. Das Bauwerk litt jedoch von Beginn an unter grundlegenden statischen Problemen, welche die Dach- konstruktion, den Mittelteil der Westfront und die Standsicherheit des Südturms betrafen. Nach jahrelanger Gutachtertätigkeit namhafter Bau- meister entschloss man sich, den preußischen Oberbaudirektor Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) um Hilfe zu bitten. Schinkel schlug einen vollständigen Umbau vor und beauftragte seinen in Zittau geborenen Schüler Carl August Schramm (1807-1869) mit der Bauleitung. Nach Schinkels Plänen erhielt der Nordturm eine schlanke, achteckige Spitze. Der Südturm, der sich nicht weiter gesenkt hatte, blieb aus statischen Gründen unvollendet und schloss nach oben mit einer flach bedachten Türmerwohnung ab. Das Langhaus erhielt einen neuen Ostgiebel und ein einfaches Satteldach. Ein wesentliches Element der Umgestaltung war der neue klassizistisch geprägte und optisch dominante Mittelteil der Westfront als Verbindung zwischen den beiden Türmen.
Der Innenraum erhielt durch den Einbau einer hölzernen Kassettendecke, den Verzicht auf die obere Empore, den Einbau neuer Wandpfeiler und die Begradigung der Ost- und der Westwand eine deutliche klassizistische Ausprägung. Das Langhaus mit den zwei schmalen von den Emporen eingenommenen Seitenschiffen erweist sich als ein imposanter lichter Emporensaal von klarer Einfachheit. In dieser noch heute nahezu unveränderten Form stellt die Johanniskirche Zittau das größte Bauwerk Karl Friedrich Schinkels außerhalb des ehemaligen Preußen mit dem bedeutendsten klassizistischen Innenraum Sachsens dar. Restauratoren sind sich einig, dass es in Deutschland keine andere Kirche Schinkels gibt, in der der Originalzustand noch so geschlossen erhalten ist. Bis zum Beginn der Sanierung 2012 befand sich der Innenraum in einem unwürdigen desolaten Zustand.
top